Lothringer Schülerinnen und Schüler kamen zu einem französisch-deutschen Diskurs mit Zeitzeugen in die Reimsbacher Mehrzweckhalle. Die Veranstaltung von Menschen beider Nationen und hoch unterschiedlicher Generationen verlief in ausgezeichneter Atmosphäre. Das Treffen  dreizehn-  und vierzehnjähriger französischer Schülerinnen und Schüler vom Colleges (Mittelschule) Lucien Pougué  in  Remilly (nahe Metz), die im Februar dieses Jahres  im Rahmen ihres Projektes Bewohner eines dortigen Altersheimes nach Erinnerungen an den 2. Weltkrieg befragt hatten und dies auch auf deutscher Seite fortsetzen wollten, wurde, war erfolgreich. Einige betagte Reimsbacher Bürgerinnen im Alter von 82 bis 91 Jahren standen gerne für Gespräche im Frage- und Antwortstil zur Verfügung. Reimsbach war durch den Kontakt des Lehrers Jean-Marc Ettenhuber aus Ottonville, dessen Schwester Elisabeth mit dem Heizungsbaumeister Christoph Mahlburg aus Reimsbach verheiratet ist und seit Jahren hier wohnt, als passender Ort ausgewählt worden. Die Eheleute Mahlberg trafen daher auch zusammen mit der Ortsvorsteherin Susanne Ferber die entsprechenden Vorbereitungen.  Nachdem die französischen Gäste aufgrund von Navigationsproblemen später als erwartet per Bus in Reimsbach eingetroffen waren, geriet der Programmablauf etwas unter Zeitdruck. Bürgermeister Thomas entbot ein Grußwort, das sein Hauptamtsleiter Michael Buchheit übersetzte. Collmann erläuterte die Schulsituation Gemeinde Beckingen als attraktive Wohngemeinde mit einer guten Infrastruktur. „Es geht in ihrem Schulprojekt um die Aufarbeitung der Geschichte der Vorkriegsjahre, Kriegsjahre und Nachkriegsjahre. Sie wollen dazu auch Zeitzeugen in Deutschland befragen und werden neben dem erlebten Kriegsunheil auch erfahren, was es bedeutet, heute in Europa in Zeiten des Friedens zusammen zu leben und die Freizügigkeit zu genießen. Wichtiger Baustein dieses vereinten Europas ist die gewachsene deutsch-französische Freundschaft, die durch Charles de Gaulle und Konrad Adenauer initiiert, gepflegt und stets verbessert wurde. So ist es auch mir wichtig, dass diese weiter gelebt und praktiziert wird. Deshalb freut es mich, dass sie für ihr Schulprojekt unsere Gemeinde ausgewählt haben“, erklärte der Verwaltungschef und dankte der Initiatorin Elisabeth Mahlberg und der Ortsvorsteherin Susanne Ferber sowie der Mithelferin Germaine Körner für die Übernahme der Organisation.  Vizedirektorin Juliette Desnouse dankte für die Gastfreundschaft und übermittelte die Grüße der Schulleiterin Sandrine Fanucchi. „Ich freue mich mit ihnen dieses Projekt zu teilen. Es ist ein schönes Projekt. Die Erinnerungspflicht ist uns sehr wichtig und noch besser, wenn es den Dialog zwischen den Generationen ermöglicht“, erklärte sie und drückte die Hoffnung auf ein weiteres Projekt aus. Zuerst müsste aber das Ergebnis ausgewertet werden, was sie den Lehrpersonen überlasse.   Aufgeteilt in kleine Gruppen wurden dann die Reimsbacher Zeitzeugen unter Mitschnitt in Bild, Ton und Text befragt. Nachdem man sich mit den  von Christoph Mahlberg zubereiteten Rostwürsten und Pommes gestärkt hatte, saßen alle in der abschließenden großen Diskussionsrunde zusammen und waren mit dem Verlauf des Treffens  sehr zufrieden. Die Schülerinnen und Schüler werden die Übersetzungen und Erklärungen der Fotos bis zum  Rückbesuch in Rémilly im Juni 2020 ausarbeiten.

Interessantes für die französischen Gäste

Als Zeitzeugen stellten sich Herbert Emmel (91 Jahre), seine Schwägerinnen Josefa Jager (90 Jahre) und Hannelore Müller (85 Jahre), Joachim Latwein (85 Jahre), Marianne Konter (88 Jahre), Herbert Ternig (85 Jahre), Theresia Mahlberg (86 Jahre), Eleonore Stutz (82 Jahre) und Heinz Gratz  (77 Jahre) aus Reimsbach sowie  Josef Wagner (87 Jahre) aus Oppen, dessen Ortsvorsteher Ralf Selzer ebenfalls anwesend war,  zur Verfügung. Auch ein  Nachkriegskind konnte noch mit Erlebnissen aus dieser Zeit bis zur Rückgliederung am 1. Januar 1957 auf einige gestellte Fragen antworten und stand der mitgereisten Reporterin Marie-Christine Royer von der Zeitung „Republice Lorrain“ gerne hilfreich zur Seite.  So fuhr er mit ihr und weiteren Gästen auch zum Ehrenfriedhof, wo unter anderem der Zeitzeuge Joachim Latwein das Grab eines im August 1944 gefallenen unbekannten Soldaten aus Lothringen zeigte sowie die Namensliste der 340 anderen Gefallenen in Augenschein genommen wurde. Auch  der Verlauf  der ehemaligen, von  1920  bis 1935 bestehenden deutsch-französischen Grenze zwischen Reimsbach und  Oppen, wo noch ein früheres Zollhaus (heute Wohnhaus) steht, war für Royer interessant. In den Gruppen  wurden dann die von den Schülerinnen und Schülern  schriftlich vorbereiteten Fragen zur Situation in Deutschland vor dem zweiten Weltkrieg, dem persönlichen Erleben der Kriegsereignisse und der Nachkriegszeit unter französischer Verwaltung erörtert.  Dabei wurde auch auf die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland zu Beginn der  30er Jahre hingewiesen, die dann zur Wahl von Hitler führte und sich später durch viele öffentliche Baumaßnahmen verbesserte, der Kriegsverlauf nebst Evakuierungen, die Bombenangriffe der Amerikaner,  die ärmliche und mühsame Zeit nach Kriegsende mit dem Wiederaufbau sowie die JoHo-Zeit, die mit der Wahlentscheidung am 23. Oktober 1955 für die  Rückkehr nach Deutschland zu Ende ging.  Die ältesten Zeugen Herbert Emmel und Josef Jager bedauerten den durch die verspätete Ankunft der Schulkinder entstandenen Zeitdruck für die Gespräche, meinten aber, dass diese dank der Übersetzer/innen einwandfrei verlaufen seien. Auch die vorbildliche Disziplin und das aufmerksame Interesse der Jugendlichen wussten zu gefallen.

 

 


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Zur Erinnerung stellten sich Gäste und Gastgeber zu einem Gruppenbild mit dem Bürgermeister.


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Übereichung von Gastgeschenken an den Bürgermeister und die Ortsvorsteherin


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In kleinen Gruppen, wie hier mit der 86jährigen Theresia Mahlberg, wurden die gestellten Fragen erörtert.

Fotos/Text: nb

 

 

 

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